<![CDATA[Verena Schmid Bagdasarjanz - Blog]]>Mon, 13 May 2024 10:21:25 +0200Weebly<![CDATA[Weshalb es keine Casimir-von-Arx-Strasse geben muss]]>Thu, 30 Jun 2022 22:00:00 GMThttp://schmidbagdasarjanz.ch/blog/test-titelCasimir von Arx – Oltner Titan, Self-made-man, Patriarch – er hat sich vermutlich insgeheim gewünscht, dass in Olten eine Strasse oder ein Platz nach ihm benannt würde. Bescheiden wie er war und wie er sich gab, hätte er einen solchen Wunsch nie und schon gar nicht öffentlich geäussert. Aber doch erwähnt er in seinen Memoiren, dass im neuen Eisenbahnerquartier eine Strasse nach dem Gewerkschafter Paul Brandt, mit dem er eine herzliche Beziehung unterhielt, benannt wurde. Ihm selbst, obwohl er sich für Land, Kanton und Heimatstadt wie nur wenige andere verdient gemacht hatte, blieb diese Ehre verwehrt.
Wir wissen heute weshalb. Noch 1960 wehrte die Polizeikommission einen diesbezüglichen Vorstoss ab: «In der Diskussion werden die grossen Verdienste des verstorbenen Ständerates Casimir von Arx voll anerkannt. In anderer Richtung bestehen gewisse Bedenken für eine solche Strassenbezeichnung. Auf alle Fälle müsste aus der Bezeichnung deutlich hervorgehen, dass es sich um Casimir von Arx sen. handelt.» Das war eine schwierige Ausgangslage.
Noch schwieriger ist es heute, aber aus anderen Gründen. Die Namen von Strassen und Plätzen wurden auch in Olten vor allem Männern zugedacht. Dem Einsatz von Frauen ist es zu verdanken, dass wenigstens ein Platz nach einer Frau benannt wurde: Maria Felchlin. Der neue Platz an der Dünnern soll gemäss stadträtlichem Entscheid zwar nach einer Frau benannt werden, aber nicht nach einer Pionierin für die Gleichstellung, sondern unverfänglich nach einer Frau aus dem 14. Jahrhundert: Metzina Wächter, die als «Hexe» dämonisiert wurde. «Olten hat grosse Mühe, Frauen, nach 1848 geboren, für ihre aussergewöhnliche Leistung ins Zentrum der Erinnerungskultur zu stellen», schrieb Edith Hiltbrunner in einem Leserinnenbrief mit dem Titel «Oltens patriarchale Erinnerungskultur» im Oltner Tagblatt vom 15. März 2022. Dies als Reaktion auf eine Berichterstattung über die Buchvernissage zu Casimir von Arx. Der Artikel im OT hatte den Eindruck erweckt, es solle «mit Casimir von Arx wieder ein Mann einen Platz erhalten, der mit seiner Politik ‹in einer Zeit der machenden Männer› den Frauen ihre politischen Rechte abgesprochen und zu diesem grossen Unrecht beigetragen hat».
Was hätte Casimir von Arx dazu gesagt? Das bleibt naturgemäss der Spekulation überlassen. Er hätte vielleicht – im Kontext der damaligen Zeit – mit jovialer Kavaliersgeste den Frauen die Strasse und den Platz überlassen. Im heutigen Kontext, das wage ich zu hoffen, würde er vielleicht verstehen, dass es nicht unbedingt eine Casimir-von Arx-Strasse oder einen Casimir-von-Arx-Platz geben muss.
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